Glenfiddich Fire & Cane – Wenn Rauch auf Süße trifft

Glenfiddich steht wie kaum eine andere Destillerie für den fruchtig-milden Stil der Speyside. Birne, Apfel, Vanille und eine angenehme Süße gehören zum klassischen Glenfiddich-Profil. Doch wer glaubt, dass die Brennerei deshalb keine Experimente wagt, sollte sich den Glenfiddich Fire & Cane genauer ansehen.

Denn hier treffen zwei scheinbar gegensätzliche Welten aufeinander: rauchiger Torf und süße Frucht. Dazu kommt ein Finish in lateinamerikanischen Rumfässern. Das Ergebnis ist ein Whisky, der deutlich aus der klassischen Glenfiddich-Reihe heraussticht und gleichzeitig erkennen lässt, woher er stammt.

Fire & Cane ist die vierte Abfüllung der Glenfiddich Experimental Series. Die Serie steht für die Bereitschaft der Brennerei, traditionelle Grenzen zu hinterfragen und ungewöhnliche Kombinationen auszuprobieren.


Glenfiddich – Tradition mit Experimentierfreude

Die Geschichte von Glenfiddich beginnt im Jahr 1887. William Grant errichtete die Destillerie mit Unterstützung seiner Familie in Dufftown im Herzen der Speyside. Am Weihnachtstag 1887 floss schließlich der erste Whisky aus den Brennblasen.

Bis heute befindet sich Glenfiddich im Familienbesitz – eine Besonderheit, die nur noch wenige schottische Single-Malt-Destillerien für sich beanspruchen können. Gleichzeitig gehört die Marke zu den international bekanntesten Vertretern der Speyside.

Der Erfolg basiert nicht allein auf Tradition. Glenfiddich hat immer wieder bewiesen, dass Innovation ein wichtiger Bestandteil der eigenen Geschichte ist. Die Experimental Series macht diesen Ansatz besonders deutlich: Nach dem IPA Experiment, dem Project XX und dem Winter Storm folgte 2018 mit Fire & Cane das vierte Experiment.


Die Idee hinter Fire & Cane

Die Geschichte des Fire & Cane beginnt bereits im Jahr 2003. Malt Master Brian Kinsman experimentierte damals erstmals mit getorftem Destillat bei Glenfiddich. Für eine Brennerei, die vor allem für ihren weichen und fruchtigen Speyside-Stil bekannt ist, war das ein durchaus ungewöhnlicher Schritt.

Für Fire & Cane wurde getorfter Whisky mit dem klassischen, nicht getorften Glenfiddich-Stil kombiniert. Beide Whisky-Komponenten reiften zunächst in ehemaligen Bourbonfässern. Anschließend wurden sie miteinander vermählt und erhielten ein Finish in lateinamerikanischen Rumfässern.

Dieses zusätzliche Finish ist entscheidend für den Charakter des Whiskys. Die Rumfässer bringen süße, karamellige und würzige Nuancen mit, die sich mit dem Rauch des Torfs verbinden. Offiziell wird Fire & Cane mit 43 % vol. abgefüllt und trägt keine Altersangabe.

Das Konzept ist damit eigentlich recht simpel – die Kombination dagegen alles andere als gewöhnlich.


Verkostung des Glenfiddich Fire & Cane

Farbe: Antikes Gold

Im Glas zeigt sich ein warmer, goldener Farbton, der bereits eine gewisse Süße erwarten lässt.

Aroma: Schon beim ersten Heranführen des Glases zeigt sich, dass dieser Glenfiddich anders ist.

Sanfter Rauch und Torf bilden den ersten Eindruck, bleiben dabei aber angenehm zurückhaltend. Dahinter kommen fruchtige Noten von Apfel und Orangenschale zum Vorschein.

Mit etwas Zeit im Glas entwickelt sich das Aroma weiter. Buttertoffee, eine leichte Eichenwürze und eine warme, süßliche Note ergänzen das Profil.

Besonders interessant ist das Zusammenspiel: Der Rauch wirkt nicht dominant, sondern wird von der fruchtigen und karamelligen Süße aufgefangen.

Geschmack: Am Gaumen setzt sich der rauchige Eindruck zunächst fort.

Dann öffnet sich der Fire & Cane deutlich süßer und erinnert an einen knusprig gebackenen Zimt-Apfelkuchen. Dazu kommen Toffee, warme Gewürze und eine leicht salzige Getreidenote.

Gerade diese Verbindung macht den Whisky spannend. Rauch und Süße stehen nicht einfach nebeneinander, sondern wechseln sich immer wieder ab. Der Torf sorgt für Tiefe, während die Frucht und das Rumfass für die süße Seite verantwortlich sind.

Das ist kein Glenfiddich, der versucht, ein Islay-Whisky zu sein. Der Rauch bleibt deutlich zugänglicher und fügt sich in den bekannten fruchtigen Grundcharakter ein.

Abgang: Der Abgang ist mittellang.

Die rauchig-süßen Aromen bleiben noch eine Weile erhalten. Toffee und Gewürze begleiten den langsam abklingenden Rauch, bevor sich der Whisky schließlich verabschiedet.

Wer einen besonders langen und kräftigen Abgang erwartet, könnte sich etwas mehr wünschen. Für einen mit 43 % vol. abgefüllten Whisky ist das Finish aber durchaus stimmig.


Fire & Cane – zwei Welten in einem Glas

Das Faszinierende an diesem Whisky ist für mich weniger eine einzelne Aromanuance als vielmehr das Spiel zwischen den Gegensätzen.

Auf der einen Seite steht der typische Glenfiddich-Charakter: Frucht, Süße und eine gewisse Leichtigkeit. Auf der anderen Seite kommen Torfrauch und würzige Noten hinzu. Das Rumfass verbindet beide Seiten miteinander und sorgt gleichzeitig für zusätzliche Süße.

Genau dieses Spannungsfeld macht den Fire & Cane zu einem interessanten Mitglied der Experimental Series.

Er ist rauchig, ohne ein Rauchmonster zu sein, und süß, ohne klebrig zu wirken.


Für wen eignet sich der Glenfiddich Fire & Cane?

Der Fire & Cane ist besonders interessant für Whiskyfreunde, die gerne einmal einen anderen Glenfiddich kennenlernen möchten.

Wer normalerweise klassische Speyside-Whiskys bevorzugt, bekommt hier einen relativ unkomplizierten Einstieg in die Welt des Rauchs.

Aber auch für Freunde rauchiger Whiskys kann die Abfüllung interessant sein – gerade weil der Torf hier wesentlich sanfter und süßer präsentiert wird als bei vielen bekannten Islay-Malts.

Wer allerdings kräftigen, maritimen oder medizinischen Torfrauch sucht, ist hier eher an der falschen Adresse.

Fire & Cane möchte kein Islay-Whisky sein. Er möchte zeigen, was passiert, wenn man den klassischen Glenfiddich-Stil mit Rauch und Rum verbindet.

Und genau das gelingt erstaunlich gut.


Vergleich innerhalb der Experimental Series

Der Fire & Cane zeigt eine ganz andere Seite von Glenfiddich als die übrigen Vertreter der Experimental Series.

Das IPA Experiment verbindet Glenfiddich mit der Welt des Craft Beer und setzt dadurch andere Akzente. Beim Project XX steht dagegen die außergewöhnliche Auswahl und Kombination unterschiedlicher Fässer im Mittelpunkt. Fire & Cane konzentriert sich wesentlich stärker auf den Gegensatz von Rauch und Süße.

Gerade deshalb ist die Experimental Series so interessant: Die einzelnen Abfüllungen zeigen, wie unterschiedlich Glenfiddich mit seinem Grundcharakter umgehen kann.


Preis-Leistung

Mit einem Preis von ungefähr 50 Euro zur Zeit der ursprünglichen Verkostung bewegte sich der Fire & Cane in einem Bereich, der ihn auch für experimentierfreudige Einsteiger interessant machte.

Heute können Preise und Verfügbarkeit – insbesondere bei einer nicht mehr überall regulär erhältlichen Experimental-Series-Abfüllung – deutlich variieren.

Für einen Whisky, der eine ungewöhnliche Kombination aus getorftem Glenfiddich, Bourbonfassreifung und Rumfass-Finish bietet, bleibt er aus meiner Sicht vor allem als Entdecker-Whisky interessant.

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Mein Fazit

Der Glenfiddich Fire & Cane ist ein schönes Beispiel dafür, dass eine traditionsreiche Speyside-Destillerie nicht auf ihrem bekannten Stil stehen bleiben muss.

Hier treffen Rauch und Frucht, Torf und Toffee, Würze und Süße aufeinander. Das Ergebnis ist kein Whisky für die Liebhaber maximaler Rauchintensität, sondern ein zugänglicher und ungewöhnlicher Single Malt mit eigenständigem Charakter.

Besonders gefallen mir die Übergänge von der sanften Rauchnote zu Apfel, Zimt und Toffee. Das Rumfass sorgt dabei für eine zusätzliche süße Dimension, ohne den Glenfiddich-Charakter vollständig zu überdecken.

Fire & Cane ist kein Whisky, der laut um Aufmerksamkeit bittet. Er überrascht eher leise – und genau das macht ihn interessant.

Taunus-Tastings-Bewertung

KategorieBewertung
Aroma8/10
Geschmack8/10
Abgang7/10
Balance & Komplexität8/10
Preis-Leistung8/10
Gesamt8,0/10

Die wichtigsten Fakten

  • Whisky: Glenfiddich Fire & Cane
  • Destillerie: Glenfiddich
  • Region: Speyside, Schottland
  • Kategorie: Single Malt Scotch Whisky
  • Abfüllung: Experimental Series No. 04
  • Altersangabe: NAS
  • Alkoholgehalt: 43 % vol.
  • Reifung: Ex-Bourbonfässer
  • Finish: Lateinamerikanische Rumfässer
  • Preis: ursprünglich ca. 50 €
  • Charakter: fruchtig, süß, rauchig, würzig

Lust auf eine eigene Verkostung?

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Hinweis: Verkostungsnotizen und Bewertung entsprechen meinem persönlichen Eindruck zum Zeitpunkt der Verkostung. Whisky ist ein Genussmittel und ausschließlich für Erwachsene bestimmt.