Blog Image

Martins feine Geister

Whisky, Whiskey und andere Spirits

Der Schwerpunkt des Blogs liegt bei Whisky Tastings-Notes,  aber auch Informationen und News aus der Welt der feinen Geister kommen nicht zu kurz.

Lagavulin 16 Jahre

Single Malt Whisky Posted on 11/06/2019 18:37

Lagavulin 16 Jahre – Die Essenz des Islay Malts

Ein Meisterwerk schottischer Destillationskunst

Kaum ein Whisky-Liebhaber, der seinem Gaumen einmal den Lagavulin 16 Jahre kredenzt hat, wird den unverkennbaren Charakter dieses Islay Malts je vergessen. In der Welt der schottischen Whiskys gilt er längst als Ikone – ein Synonym für Torf, Tiefe und Komplexität, ein flüssiges Manifest jener wilden Schönheit, die die Insel Islay umweht. Die Lagavulin Distillery, gegründet im Jahre 1816, ist nicht nur ein bedeutendes Kapitel der schottischen Whiskygeschichte, sondern auch ein Sinnbild für die Verbindung von Tradition, terroirgeprägten Rohstoffen und handwerklicher Hingabe.

Die Heimat – Islay und die Lagavulin Distillery

Die Isle of Islay, ein rauer Außenposten an Schottlands Westküste, ist legendär für ihre kilometerlangen Torfmoore. Hier, wo der salzige Wind vom Atlantik das Land modelliert, entstehen Whiskys von unvergleichlicher Eigenart. Die Torfschichten, über Jahrtausende gewachsen, sind nicht nur Bodenschatz, sondern Lebenselixier für die Destillerien der Insel. Lagavulin schöpft daraus sein unverwechselbares Aroma: Der Torf, der hier gestochen und getrocknet wird, verleiht dem Malt jene rauchige Kraft, die Kenner und Liebhaber weltweit schätzen.

Die Lagavulin Distillery liegt malerisch an einer kleinen Bucht, umgeben von historischen Gebäuden, die die Geschichte der Islay-Whiskyproduktion atmen. Seit ihrer Gründung im frühen 19. Jahrhundert hat sie zahlreiche Umbrüche erlebt, Kriege, wirtschaftliche Krisen und die Herausforderungen moderner Technik überstanden – doch das Streben nach Perfektion ist geblieben.

Die Kunst der Herstellung

Der sagenhafte Charakter des Lagavulin 16 Jahre verdankt sich nicht nur den Rohstoffen, sondern auch traditionellen Methoden, die mit Geduld und Sorgfalt gepflegt werden. Die Fermentation nimmt außergewöhnlich viel Zeit in Anspruch – zwischen 55 und 75 Stunden ruht die Maische, um die vollen Aromen zu entfalten. Diese langsame Gärung ist ein entscheidender Baustein für die geschmackliche Tiefe des späteren Destillats.

Die Destillation selbst geschieht in zwei Kupferbrennblasen, jede davon ein handgefertigtes Unikat. Für die erste Destillation lässt man sich etwa 5 Stunden Zeit, während die zweite gar mehr als 9 Stunden beansprucht – ein Rhythmus der Entschleunigung, der den Spirit mit Komplexität und Eleganz adelt. Das Ergebnis ist ein Rohbrand, der bereits den Geist von Islay in sich trägt: markant, kraftvoll und dennoch ausgewogen.

Die Reifung – Geduld als Tugend

Die Reifezeit ist das Herzstück eines jeden Whiskys, und der Lagavulin 16 Jahre macht seinem Namen alle Ehre. Ganze 16 Jahre lagert das Destillat, geschützt von den dicken Mauern der Lagerhäuser, durchzogen vom Atem der Meersalzluft. Die Wahl der Fässer trägt maßgeblich zur Charakterbildung bei: Lagavulin setzt vorwiegend auf nachgefüllte europäische Eichenfässer, die zuvor Sherry beherbergt haben. Sie verleihen dem Whisky eine subtile Fruchtigkeit, Tiefe und ein harmonisches Zusammenspiel von Süße und Würze.

In dieser langen Zeit nehmen Holz, Luft und Spirit einen Dialog auf. Die salzige Feuchtigkeit der See, das würzige Aroma des Torfs und die sanften Tannine der Eiche verschmelzen zu einem Kunstwerk – ein Prozess, der nicht beschleunigt werden kann. Die Zeit wird hier zur wahren Verbündeten des Geschmacks.

Tastingnotes – Ein sensorisches Erlebnis

Farbe: Der erste Blick ins Glas offenbart ein dunkles, bernsteinfarbenes Gold. Diese warme, leuchtende Farbe ist ein erster Hinweis auf die Tiefe und den Reichtum der Aromen, die folgen werden.

Aroma: Das Bouquet ist eine Offenbarung für die Nase. Intensiv konzentriert, schlägt einem ein massiver Torfrauch entgegen, der von einer fast medizinischen Jodnote getragen wird – ultraintensiv und dennoch vielschichtig. Inmitten dieses rauchigen Spektrums blitzen fruchtige Sherrynoten auf, begleitet von einer Spur Vanille und dem charakteristischen Duft von Lapsang Souchong, dem chinesischen Rauchtee. Die Kombination ist wuchtig, aber nie plump – sie fordert die Sinne heraus und belohnt sie mit subtilen Nuancen.

Geschmack: Am Gaumen entfaltet sich eine reiche, trockene Fruchtsüße mit deutlichem Sherrycharakter. Rauch und starke Gerstenmalzaromen durchziehen das Gesamtbild, bevor im hinteren Teil des Mundes eine Explosion aus salzigem und pfefferigem Rauch folgt. Die Komplexität ist beeindruckend: Jeder Schluck bringt neue Facetten zum Vorschein, von tiefer Süße bis zu würziger Herbheit, von maritimer Frische bis zu erdiger Wärme.

Abgang: Der Nachklang ist riesig – lang, wärmend und pfeffrig. Eine appetitanregende Süße bleibt zurück, begleitet von einem Hauch Gewürz, Torf und Vanille. Gibt man einen Tropfen Wasser hinzu, offenbaren sich plötzlich indische Gewürze, und das Aromenspiel gewinnt erneut an Tiefe.

Lagavulin 16 Jahre – Der Klassiker

Innerhalb der Lagavulin-Reihe nimmt der 16-Jährige eine besondere Stellung ein. Er ist nicht nur der beliebteste Vertreter der Destillerie, sondern gilt vielen als Inbegriff des Islay Malts. Seine Auszeichnungen sind zahlreich – zu viele, um sie alle aufzuzählen – und sein Ruf als Klassiker ist wohlverdient. Er begeistert Einsteiger mit seiner aromatischen Intensität ebenso wie erfahrene Whiskygenießer*innen mit seiner facettenreichen Tiefe.

Die Komplexität, die Balance zwischen Rauch, Süße und Würze, das lange, anhaltende Finish – all das macht den Lagavulin 16 Jahre zu einem Botschafter schottischer Destillationskunst. Er eignet sich hervorragend, um in geselliger Runde genossen zu werden, entfaltet aber auch in stillen Momenten seine inspirierende Kraft.

Fazit – Mehr als ein Whisky

Der Lagavulin 16 Jahre ist weit mehr als ein Getränk; er ist eine Einladung, sich auf eine Reise zu begeben – auf die Insel Islay, in die Geschichte schottischer Brennkunst, in die Tiefen des eigenen Geschmackssinns. Er verbindet Ursprünglichkeit mit handwerklicher Exzellenz, Geduld mit Leidenschaft. Wer ihn genießt, wird nicht nur von rauchigen Wogen und salzigen Brisen umspült, sondern erfährt, was es heißt, einen echten Klassiker im Glas zu halten.

So bleibt der Lagavulin 16 Jahre der unverkennbare Ausdruck einer Landschaft, einer Kultur und einer langen Tradition – und für viele Genießer*innen der Inbegriff dessen, was einen großen Single Malt Scotch ausmacht.

Die Fakten:

  • Region – Schottland / Islay
  • Kategorie – Scotch Single Malt Whisky
  • Alkohol – 43%
  • Reifungszeit – 16 Jahre
  • Farbstoff – Ja
  • Kühlfilterung – Ja
  • Fasstyp – Ex-Bourbon, Sherry Cask
  • Distillery – Lagavulin
  • Abfüller – Originalabfüllung
  • Preis – ca. 80 EUR  (Tagespreis prüfen*)

Ebenfalls verkostet:

Diesen Whisky als Großsample* kaufen.

Wenn Du dir selbst ein Bild von diesem Whisky machen möchtest und nicht gleich eine ganze Flasche kaufen willst bekommst Du hier ein Sample.

Keine Lust alleine zu verkosten? Hier findest Du unsere öffentlichen Tastings.

Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Links sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich von dem betreffenden Online-Shop oder Anbieter eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht. Desweiteren enthält der Beitrag unbezahlte Werbung, da Namensnennung.



Laphroaig Quarter Cask

Single Malt Whisky Posted on 06/04/2017 16:59
Eine Flasche Laphroaig Quarter Cask, im Hintergrund ein Fasslager

Laphroaig Quarter Cask

Nachdem ich den Laphroaig Quarter Cask schon öfter getrunken habe ist es an der Zeit ihn nun „offiziell“ zu verkosten. Laphroaig ist nach dem Loch Laphroaig an der Südküste von Islay benannt. Donald und Alexander Johnston gegründet die Brennerei im Jahre 1815. Die Mitglieder der Johnston-Familie betrieben hauptsächlich diese Brennerei. Allerdings nur kurze Zeit gemeinsam. Donald Johnston starb nach dem Sturz in ein Whiskyfass. Eine Zeitlang wurde die Destille dann von Walter Graham, dem Manager von Lagavulin geleitet. Lagavulin liegt nahe bei Laphroaig. 1857 kehrte Laphroaig wieder in die Hände der Johnston Familie zurück. Im Jahr 1954 starb Ian Hunter, ein Neffe von Sandy Johnston, und hinterließ die Brennerei seiner Sekretärin Bessie Williamson. Danach wechselte die Brennerei ein paar Mal die Besitzer und landete 2014 bei Beam Suntory.

Der Laphroaig Geschmack ist weltweit bekannt und kommt zum Teil von seiner Nähe zur Küste und dem hohen Moosgehaltes seines Torfes, das auf dem eigenen Malzboden der Brennerei verarbeitet wird. Laphroaig feiert 2015 sein 200jähriges Jubiläum. Sie haben dazu eine sehr unterhaltsame Werbekampagne (#OpinionsWelcome) gestartet. Man kann auf der Website seine eigene Meinung dazu veröffentlichen.

Der Laphroaig Quarter Cask wurde 2004 auf den Markt gebracht. Er wird zuerst in Standard Ex-Bourbon Fässern gereift und dann in kleinere Quarter-Cask Fässer gefüllt. Aufgrund der kleineren Fässer, ist das Verhältnis Eiche-Whisky-Kontakt größer als bei Standardfässern. Nach diesem Finish wird er Nicht-Kühlgefiltert mit 48% vol. abgefüllt.

Verkostungsnotizen für diesen Whisky

FARBE: Er hat eine schöne goldene Farbe.

AROMA:
Das ist ein absolut klassischer Islay-Malt mit dem bekannten Laphroaig-Stil. Torf, Algen und Jod steigen in die Nase. Milder Rauch und ein überraschender Hauch von würziger Süße kommen dazu. Die typischen medizinischen Noten im Hintergrund. Ein sehr reichhaltiges Aroma.

GESCHMACK:
Er ist ein perfekter Dram am Ende einer langen und harten Woche. Es gibt Noten von Torf, Rauch und Seetang schwebend. Dann kommen Jod, Zitrus und Honig. Im Hintergrund ein wenig Eiche, Lakritze und fruchtige Noten. Der Gaumen fühlt sich voluminös an. Eben ein richtiger Islay Whisky. Die Zugabe eines Tropfen Wassers macht den Laphroaig Quarter Cask etwas glatter und verdrängt die medizinischen Notizen. Das Wasser bringt mehr von den rauchigen Noten heraus, aber der Dram bleibt weiterhin voluminös.

ABGANG: Es ist lang, ausgedehnt und komplex. Er wechselt von Torf zu süß bis scharf. Vor allem lässt er dich mit einem warmen Gefühl im Magen zurück. Lange nachdem du geschluckt hast.

Ebenfalls verkostet:

Wenn Du dir selbst ein Bild von diesem Whisky machen möchtest und nicht gleich eine ganze Flasche kaufen willst bekommst Du, sofern noch vorhanden, hier ein Sample.

Keine Lust alleine zu verkosten? Hier findest Du unsere öffentlichen Tastings.

Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Links sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst,
bekomme ich von dem betreffenden Online-Shop oder Anbieter eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht. Desweiteren enthält der Beitrag unbezahlte Werbung, da Namensnennung.