
Chichibu The Floor Malted 2009 – Handgemälzte Gerste und die frühen Jahre einer Kultbrennerei
Drei Jahre jung, 50,5 % vol. stark und auf nur 8.800 Flaschen limitiert: Der Chichibu The Floor Malted 2009/2012 gehört zu den frühen Abfüllungen von Ichiro Akutos junger Destillerie. Das Besondere steckt bereits im Namen: Für diesen Whisky wurde Gerste traditionell auf dem Malzboden gemälzt. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlich malzbetonter, fruchtiger und würziger Single Malt, der einen spannenden Einblick in die Anfangsjahre von Chichibu bietet.
Nach dem Chichibu The First folgte mit dem The Floor Malted eine weitere Abfüllung, die heute besonders für Liebhaber der frühen Chichibu-Jahre interessant ist.
Der Whisky wurde 2009 destilliert, drei Jahre später 2012 abgefüllt und kam mit kräftigen 50,5 % vol. in die Flasche. Insgesamt entstanden lediglich 8.800 Flaschen.
Doch Zahlen allein erklären diesen Whisky nicht.
Seine eigentliche Besonderheit ist die Gerste.
Von Hanyu zu Chichibu – Ichiro Akutos Neuanfang
Die Geschichte von Chichibu ist eng mit Ichiro Akuto und der früheren Hanyu Distillery verbunden.
Akuto entstammt einer Familie mit langer Tradition in der Herstellung alkoholischer Getränke. Nachdem die Whiskyproduktion bei Hanyu eingestellt worden war, gelang es ihm, verbliebene Whiskybestände der Brennerei zu sichern.
2004 gründete er Venture Whisky.
Die alten Hanyu-Bestände bildeten unter anderem die Grundlage für die inzwischen legendäre Card Series. Doch Akuto wollte nicht nur die Vergangenheit seiner Familie bewahren.
Er wollte wieder selbst Whisky herstellen.
Die neue Chichibu Distillery entstand in der Präfektur Saitama und nahm 2008 die Produktion auf. Damit gehört The Floor Malted zu den Whiskys aus der absoluten Frühphase der Brennerei.
2009 destilliert – 2012 abgefüllt
The Floor Malted folgte auf Chichibus erste reguläre Single-Malt-Abfüllung, The First.
Während The First aus dem ersten Produktionsjahr 2008 stammte, wurde der Floor Malted 2009 destilliert.
Nach drei Jahren Reifung war es 2012 so weit.
The Floor Malted kam auf den Markt.
Die Abfüllung trägt eine Altersangabe von drei Jahren und besitzt mit 50,5 % vol. eine deutlich höhere Alkoholstärke als viele klassische Standardabfüllungen.
Nur 8.800 Flaschen wurden produziert.
Aus heutiger Sicht ist das ein überschaubarer Bestand – insbesondere angesichts des internationalen Interesses, das Chichibu später entwickeln sollte.
Was bedeutet eigentlich „Floor Malted“?
Der Name ist Programm.
Beim traditionellen Floor Malting wird die angefeuchtete Gerste zum Keimen auf einem Malzboden ausgebreitet.
Während der Keimung muss sie regelmäßig gewendet werden, damit Temperatur und Feuchtigkeit möglichst gleichmäßig bleiben und sich keine unerwünschten Verklumpungen bilden.
Diese traditionelle Form des Mälzens ist arbeitsintensiv und wird deshalb heute nur noch von vergleichsweise wenigen Whiskyproduzenten selbst praktiziert.
Für den Chichibu The Floor Malted wurde Gerste nach Vorgaben von Ichiro Akuto traditionell gemälzt. Ein zeitgenössischer Katalog von La Maison du Whisky beschreibt die Abfüllung ausdrücklich als aus von Hand auf einem traditionellen Malzboden gemälzter Gerste hergestellt.
Das erklärt auch, warum der malzige Charakter bei dieser Abfüllung eine so zentrale Rolle spielt.
Gerste aus Europa, Torf aus Schottland
Bei den Rohstoffen dachte Chichibu von Anfang an international.
Für The Floor Malted wird europäische Gerste genannt; zeitgenössische Datenbankbeschreibungen sprechen von Gerste aus England beziehungsweise Deutschland. Auch der verwendete Torf wurde aus Schottland importiert. Whisky.com
Dadurch besitzt die Abfüllung neben ihrer ausgeprägten Malzigkeit auch eine rauchige Komponente.
Allerdings sollte man hier keinen schweren Islay-Whisky erwarten.
Der Rauch ist eher ein zusätzlicher Baustein innerhalb eines Profils, das von Malz, Frucht, Vanille, Getreide und Gewürzen geprägt wird.
Welche Fässer wurden verwendet?
Hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Quellen.
Whisky.de und mehrere Auktionsdatenbanken führen für The Floor Malted eine Bourbonfassreifung auf.
Einzelne Händlerbeschreibungen nennen zusätzlich amerikanische Weißeiche, japanische Mizunara-Eiche und teilweise kleine Chibidaru-Fässer.
Da die Bourbonfassreifung durch mehrere voneinander unabhängige Quellen dokumentiert ist, würde ich sie als Kernangabe verwenden und weitergehende Fassdetails nur mit entsprechender Einschränkung nennen.
Fest steht jedenfalls:
Die Reifungszeit betrug lediglich drei Jahre.
Und das schmeckt man durchaus – allerdings nicht unbedingt im negativen Sinne.
Jung – und stolz darauf
Der Floor Malted versucht nicht, wie ein 15 oder 20 Jahre alter Whisky zu schmecken.
Das wäre auch gar nicht sinnvoll.
Stattdessen zeigt er ziemlich unverfälscht, wie sich das junge Chichibu-Destillat zusammen mit Malz, Bourbonfass und einer dezenten Rauchkomponente entwickelt.
Gerade dadurch besitzt diese Abfüllung heute einen besonderen Reiz.
Sie dokumentiert eine Phase, in der Ichiro Akuto mit einer gerade erst gegründeten Brennerei seinen eigenen Stil noch weiterentwickelte.
Chichibu The Floor Malted – die Fakten
| Merkmal | Chichibu The Floor Malted |
| Brennerei | Chichibu |
| Serie | Ichiro’s Malt |
| Land | Japan |
| Kategorie | Japanese Single Malt Whisky |
| Jahrgang | 2009 |
| Abgefüllt | 2012 |
| Alter | 3 Jahre |
| Fassreifung | Bourbon Casks |
| Alkoholgehalt | 50,5 % vol. |
| Flaschengröße | 700 ml |
| Auflage | 8.800 Flaschen |
| Abfüller | Originalabfüllung |
| Whiskybase ID | WB32005 |
Verkostung des Chichibu The Floor Malted
Bereits in der Nase wird deutlich, dass dieser Whisky einen anderen Schwerpunkt setzt als viele moderne japanische Single Malts.
Er ist jung.
Er ist lebendig.
Und vor allem ist er malzig.
Farbe
Im Glas zeigt sich der Whisky in einem hellen Goldton.
Das passt hervorragend zu seinem jungen Alter und der Bourbonfassprägung.
Aroma
Die Nase beginnt mit klassischen Bourbonfass-Assoziationen.
Vanille und Karamell bilden eine süße Grundlage.
Dazu kommen Honig und eine überraschend schöne Fruchtigkeit:
Birne, Pfirsich und roter Apfel.
Etwas Zitrone bringt Frische ins Spiel.
Dann wird es deutlich malziger. Getreide und frisches Malz erinnern daran, worum es bei dieser Abfüllung eigentlich geht.
Mit etwas Zeit kommen ungewöhnlichere Aromen hinzu:
Gewürze, Eukalyptus und eine leicht pikante, fast senfartige Note.
Auch ein leichter klebstoffartiger Eindruck kann auftauchen.
Das klingt zunächst vielleicht wenig schmeichelhaft, passt aber durchaus zu einem sehr jungen, kräftigen Destillat.
Der Whisky wirkt dadurch etwas roh – gleichzeitig aber ausgesprochen charaktervoll.
Geschmack
Am Gaumen präsentiert sich The Floor Malted zunächst erstaunlich weich und floral.
Dann übernimmt das Malz.
Getreide und Biskuit bilden das Fundament, begleitet von Vanille und süßen Früchten.
Damit setzt sich ein großer Teil des Aromaprofils der Nase fort.
Allerdings machen sich jetzt auch die 50,5 % vol. deutlicher bemerkbar.
Vor allem beim ersten Schluck kann der Alkohol noch etwas kantig wirken. Nach einigen Schlucken beziehungsweise etwas Zeit im Glas fügt sich die Alkoholstärke besser in das Gesamtbild ein.
Würzig wird es ebenfalls.
Vor allem Pfeffer tritt hervor.
Daneben zeigt sich eine leichte Bitterkeit, die auch mit etwas Wasser nicht vollständig verschwindet.
Das muss man mögen.
Aber gerade diese Mischung aus süßer Frucht, Malz, Getreide, Vanille, Pfeffer und jugendlicher Kantigkeit macht den Floor Malted unverwechselbar.
Abgang
Der Abgang ist mittellang.
Am längsten bleibt der malzige Charakter erhalten.
Dazu gesellen sich Nüsse, Gewürze, Vanille, Karamell und Zedernholz.
Besonders interessant finde ich die letzte Entwicklung:
Zum Ende erinnert der Whisky fast an einen trockenen Zitronenkuchen.
Süße, Malz und Zitrus verbinden sich noch einmal, bevor eine trockenere Holznote übernimmt.
Whisky-Radar
Süße: ●●●○○
Frucht: ●●●●○
Würze: ●●●●○
Holz: ●●●○○
Malz: ●●●●●
Rauch: ●●○○○
Komplexität: ●●●●○
Normalerweise steht bei unserem Whisky-Radar der Sherry stärker im Mittelpunkt.
Beim Floor Malted wäre das wenig sinnvoll.
Hier verdient Malz eine eigene Kategorie – denn genau dieser Charakter definiert die Abfüllung.
Mit oder ohne Wasser?
Bei 50,5 % vol. liegt es nahe, mit einigen Tropfen Wasser zu experimentieren.
Allerdings reagiert The Floor Malted darauf etwas eigenwillig.
Die alkoholische Schärfe kann zwar zurückgehen und die Textur zugänglicher werden, die vorhandene Bitterkeit verschwindet dadurch aber nicht unbedingt.
Bei stärkerer Verdünnung können sogar einige der spannenderen Aromen an Intensität verlieren.
Deshalb würde ich diesen Chichibu zunächst unbedingt pur und mit ausreichend Zeit im Glas probieren.
Anschließend kann man vorsichtig einige Tropfen Wasser hinzugeben.
Weniger ist hier vermutlich mehr.
The First vs. The Floor Malted
Besonders spannend ist der Vergleich mit dem direkten Vorgänger.
Der Chichibu The First wurde 2008 destilliert, 2011 nach drei Jahren abgefüllt und kam mit mächtigen 61,8 % vol. in die Flasche.
The Floor Malted stammt aus dem Jahrgang 2009 und wurde 2012 ebenfalls nach drei Jahren abgefüllt – allerdings mit 50,5 % vol.
Auch aromatisch unterscheiden sich beide.
Beim The First stehen stärker Vanille, Honig, Ingwer, grüner Apfel und Limette im Mittelpunkt.
The Floor Malted setzt dagegen deutlicher auf:
Malz, Getreide, Biskuit, Vanille, süße Früchte, Gewürze und etwas Rauch.
Gerade im direkten Vergleich lässt sich erkennen, wie experimentierfreudig die junge Chichibu Distillery bereits in ihren ersten Produktionsjahren arbeitete.
Ein früher Baustein der Chichibu-Geschichte
Aus heutiger Sicht besitzt The Floor Malted noch eine zweite Dimension.
Er ist nicht einfach nur ein dreijähriger japanischer Single Malt.
Er stammt aus 2009 – dem zweiten Produktionsjahr von Chichibu.
Damals konnte niemand mit Sicherheit wissen, welchen Stellenwert diese kleine japanische Brennerei einmal erreichen würde.
Heute sind viele frühe Chichibu-Abfüllungen gesucht und erscheinen regelmäßig auf dem Sekundär- und Auktionsmarkt. Das macht The Floor Malted für Sammler interessant – garantiert aber selbstverständlich keine zukünftige Wertentwicklung.
Sein historischer Reiz ist ohnehin spannender:
Hier lässt sich Chichibu praktisch beim Erwachsenwerden beobachten.
Nur 8.800 Flaschen
Die Limitierung auf 8.800 einzeln nummerierte Flaschen ist gut dokumentiert. Selbst historische Auktionskataloge führen konkrete Flaschennummern dieser Auflage auf.
Damit ist der Floor Malted zwar etwas weniger selten als The First mit seinen 7.400 Flaschen, aber immer noch eine ausgesprochen kleine Produktion.
Und anders als bei einer modernen Limited Edition kommt hier hinzu, dass die Flaschen inzwischen seit mehr als einem Jahrzehnt über die ganze Welt verteilt sind.
Für wen eignet sich der Chichibu The Floor Malted?
Dieser Whisky ist meiner Meinung nach weniger für jemanden gedacht, der einfach einen möglichst weichen japanischen Single Malt sucht.
Dafür ist er zu eigenwillig.
Interessant ist er dagegen für Whiskyfreunde, die sich mit Chichibu, traditionellen Produktionsmethoden und jungen Destillaten beschäftigen möchten.
Auch Liebhaber sehr malziger Whiskys dürften hier auf ihre Kosten kommen.
Man sollte allerdings akzeptieren, dass drei Jahre Reifung Spuren hinterlassen.
Alkoholische Schärfe, leichte Bitterkeit und einzelne etwas rohe Aromen gehören zum Gesamtbild.
Genau diese Ecken und Kanten machen ihn aber authentisch.
Food Pairing
Bei diesem Chichibu würde ich auf zu schwere Speisen verzichten.
Sein malzig-fruchtiger Charakter dürfte gut zu Buttergebäck, leicht gesalzenen Nüssen, Mandelkuchen oder einem nicht zu süßen Zitronenkuchen passen.
Auch ein milder Hartkäse könnte interessant funktionieren.
Gerade die Zitronen-, Getreide- und Vanillenoten bieten einige schöne Möglichkeiten.
Mein Eindruck
Der Chichibu The Floor Malted 2009/2012 fasziniert mich vor allem deshalb, weil er seine Jugend nicht versteckt.
Er ist kein perfekt glattgeschliffener Whisky.
Und das möchte er offenbar auch nicht sein.
Die Nase verbindet Honig, Birne, Pfirsich und roten Apfel mit Vanille, Karamell, Zitrone und viel Malz. Am Gaumen übernehmen Getreide und Biskuit, während Pfeffer und die kräftigen 50,5 % vol. für ordentlich Leben sorgen.
Besonders charakteristisch ist für mich der Abgang.
Malz, Nüsse, Vanille und Zedernholz gehen schließlich in diesen ungewöhnlichen Eindruck von trockenem Zitronenkuchen über.
Das ist eigenwillig.
Aber gerade deshalb bleibt der Whisky in Erinnerung.
Fazit
Der Chichibu 3 Jahre 2009 – The Floor Malted ist ein spannendes Dokument aus den Anfangsjahren einer Brennerei, die später zu einem der international bekanntesten Namen des japanischen Craft Whiskys werden sollte.
2009 destilliert.
2012 abgefüllt.
3 Jahre gereift.
50,5 % vol.
Nur 8.800 Flaschen.
Doch die Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte.
Die traditionell gemälzte Gerste gibt dieser Abfüllung ihre eigentliche Identität. Malz und Getreide stehen im Mittelpunkt, begleitet von Vanille, Honig, Birne, Pfirsich, Apfel, Zitrus, Karamell, Gewürzen und einer leichten Rauchigkeit.
Seine Jugend ist dabei jederzeit spürbar.
Manchmal etwas kantig, stellenweise leicht bitter und alkoholisch durchaus kräftig – aber gleichzeitig lebendig und charaktervoll.
Und vielleicht ist genau das die spannendste Eigenschaft dieses Whiskys:
The Floor Malted zeigt Chichibu nicht als fertige Legende, sondern als junge Brennerei voller Experimentierfreude.
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