Chichibu Port Pipe 2009/2013

Chichibu Port Pipe 2009/2013 – Japans junge Whisky-Revolution trifft auf Portwein

Nur vier Jahre alt, mit kräftigen 54,5 % vol. abgefüllt und auf lediglich 4.200 Flaschen limitiert: Der Chichibu Port Pipe 2009/2013 zeigt eindrucksvoll, wie experimentierfreudig Ichiro Akuto bereits in den Anfangsjahren seiner jungen Destillerie arbeitete. Rote Früchte, dunkle Schokolade, Gewürze und die intensive Portweinprägung machen diese frühe Chichibu-Abfüllung zu einem außergewöhnlichen japanischen Single Malt.

Der Chichibu Port Pipe Ichiro’s Malt 2009/2013 ist einer dieser Whiskys, bei denen bereits die Eckdaten neugierig machen.

Destilliert wurde er 2009, gerade einmal ein Jahr nachdem die Chichibu Distillery mit der Whiskyproduktion begonnen hatte. Nach nur vier Jahren Reifung kam er 2013 mit 54,5 % vol. in Fassstärke auf den Markt. Lediglich 4.200 Flaschen wurden abgefüllt. Diese Angaben werden unter anderem von Whiskybase und Whisky Auctioneer bestätigt. 

Besonders spannend ist jedoch seine Reifung: Kleine Fässer und anschließend ein großes Port Pipe sollten dem jungen Chichibu innerhalb relativ kurzer Zeit eine erstaunliche aromatische Intensität verleihen.

Das Ergebnis ist ein Whisky mit roten Früchten, dunkler Schokolade, Gewürzen, Zitrus und einer leichten Rauchigkeit – kraftvoll, ungewöhnlich und eindeutig von seiner Jugend geprägt.

Chichibu – der Neuanfang von Ichiro Akuto

Die Geschichte der Chichibu Distillery ist untrennbar mit Ichiro Akuto verbunden.

Akuto entstammt einer Familie mit langer Tradition in der Herstellung alkoholischer Getränke. Sein Großvater gründete die Hanyu Distillery, deren Whiskyproduktion jedoch im Jahr 2000 eingestellt wurde.

Ichiro Akuto sicherte schließlich die verbliebenen Bestände von Hanyu und gründete Venture Whisky. Aus diesen alten Fässern entstanden unter anderem die heute berühmten Abfüllungen der Hanyu Card Series.

Doch Akuto wollte nicht ausschließlich die Vergangenheit seiner Familie bewahren.

Er wollte selbst wieder Whisky produzieren.

2008 nahm deshalb die neue Chichibu Distillery in der japanischen Präfektur Saitama ihren Betrieb auf. 

Damit begann eines der spannendsten Kapitel der modernen japanischen Whiskygeschichte.

Ein Whisky aus den ersten Jahren von Chichibu

Gerade deshalb ist der Chichibu Port Pipe 2009/2013 historisch so interessant.

Der Whisky wurde 2009 destilliert und stammt damit praktisch aus der Anfangszeit der Brennerei.

Bereits 2013 wurde er abgefüllt.

Wir sprechen also nicht über einen jahrzehntelang gereiften japanischen Single Malt, sondern über einen ausgesprochen jungen Whisky.

Vier Jahre.

Bei Chichibu wurde diese Jugend jedoch nicht versteckt. Stattdessen nutzte man unterschiedliche Fassgrößen und eine intensive Nachreifung, um dem jungen Destillat möglichst viel Charakter zu verleihen.

Drei Jahre im kleinen Fass, ein Jahr im Port Pipe

Das Reifungskonzept gehört zu den interessantesten Aspekten dieser Abfüllung.

Der Whisky soll zunächst drei Jahre in nur rund 50 Liter fassenden Quarter Casks gereift sein. Anschließend folgte eine etwa einjährige Nachreifung in großen europäischen Portweinfässern.

Zeitgenössische Beschreibungen nennen für diese Port Pipes ein Fassungsvermögen von etwa 650 Litern. 

Damit treffen zwei völlig unterschiedliche Fassgrößen aufeinander.

Das kleine Fass sorgt aufgrund des hohen Verhältnisses von Holzoberfläche zu Flüssigkeitsmenge für einen intensiven Holzkontakt.

Danach kommt das große Port Pipe ins Spiel.

Die vorherige Belegung mit Portwein bringt rote und dunkle Früchte sowie zusätzliche Süße und Würze in den Whisky.

Interessanterweise gibt es bei den historischen Quellen kleinere Abweichungen bei den Fassangaben: The Whisky Exchange beschreibt Port Pipes dieser Abfüllung beispielsweise mit 550 Litern.  Die häufig genannte konkrete Reifungsbeschreibung spricht dagegen von rund 650 Litern. Deshalb würde ich die exakte Fassgröße nicht zum entscheidenden Merkmal der Abfüllung machen.

Entscheidend ist:

Drei Jahre intensive erste Reifung – anschließend rund ein Jahr Port-Pipe-Finish.

Was macht ein Port Pipe mit Whisky?

Port Pipes sind große Fässer, die zuvor für Portwein verwendet wurden.

Der Einfluss einer solchen Nachreifung kann sich deutlich von klassischen Bourbon- oder Sherryfässern unterscheiden.

Typische Assoziationen sind:

rote Beeren, dunkle Früchte, Pflaumen, Trauben, Süße, Gewürze und teilweise schokoladige Noten.

Beim Chichibu funktioniert das besonders interessant, weil diese fruchtig-süße Portweinkomponente auf ein noch sehr junges und lebendiges Destillat trifft.

Der Whisky verliert seine Jugend dadurch nicht.

Vielmehr wird sie durch den Portweincharakter ergänzt.

54,5 % vol. – ohne Zurückhaltung

Der Port Pipe wurde mit kräftigen 54,5 % vol. abgefüllt und wird in Whiskybase als Cask Strength geführt. Dort sind außerdem keine Färbung und keine Kühlfiltration für die Abfüllung hinterlegt. 

Bei der Farbangabe gibt es allerdings widersprüchliche Quellen: The Whisky Exchange kennzeichnet die Abfüllung ausdrücklich mit „Colouring: Yes“. 

Chichibu Port Pipe 2009/2013 – die Fakten

MerkmalChichibu Port Pipe
BrennereiChichibu
SerieIchiro’s Malt
LandJapan
RegionSaitama
KategorieJapanese Single Malt Whisky
Destilliert2009
Abgefüllt2013
Alterca. 4 Jahre
Erste Reifungkleine Quarter Casks
FinishPort Pipe
Alkoholgehalt54,5 % vol.
AbfüllungCask Strength
Flaschengröße700 ml
Auflage4.200 Flaschen
Kühlfiltrationlaut Whiskybase nein
Farbstoffwidersprüchliche Quellenlage

Verkostung des Chichibu Port Pipe 2009/2013

Dieser Chichibu versucht gar nicht erst, sein junges Alter zu verstecken.

Und genau das macht ihn interessant.

Farbe

Im Glas zeigt sich ein ungewöhnlicher Farbton zwischen Mahagoni, Rosé und Kupfer.

Gerade der rötliche Einschlag passt hervorragend zum Port-Pipe-Konzept.

Aroma

Die Nase beginnt jung, lebendig und intensiv.

Eine leicht hefige beziehungsweise getreidige Seite erinnert daran, dass wir es mit einem sehr jungen Single Malt zu tun haben.

Doch dann kommt die Frucht.

Und davon gibt es reichlich:

Cranberrys, Kirschen, Johannisbeeren, Preiselbeeren und Erdbeeren.

Das ergibt einen ganzen Korb voller roter Früchte.

Dazu kommt eine leicht erdige Komponente. Süße und Würze wechseln sich ab, wobei zunehmend Holzgewürze auftauchen.

Im Hintergrund zeigt sich schließlich noch dunkle Schokolade.

Eine spannende Nase – jung und etwas ungestüm, gleichzeitig aber erstaunlich facettenreich.

Geschmack

Am Gaumen machen sich die 54,5 % vol. zunächst bemerkbar.

Der Whisky besitzt Kraft.

Nach dem ersten alkoholischen Eindruck öffnet sich jedoch erneut die Frucht.

Himbeeren und Cranberrys treffen auf weitere dunkle und reife Früchte.

Dazu kommt eine leicht angebrannte beziehungsweise karamellisierte Süße.

Spannend finde ich die floralen Eindrücke, die dem Whisky eine zusätzliche Ebene geben.

Dann erscheint eine leichte Rauchigkeit.

Sie steht nicht im Zentrum, sondern begleitet die Frucht und Würze eher im Hintergrund.

Mit etwas Zeit entwickeln sich Zitrusfrüchte und weihnachtliche Gewürze.

Gerade diese Kombination aus Portfrucht, jungem Destillat, Würze und Rauch macht den Whisky außergewöhnlich.

Abgang

Der Abgang ist mittellang bis lang.

Zunächst zeigt sich eine leicht pfeffrige Würze.

Danach gewinnt wieder die Süße.

Zitrusfrüchte und Weihnachtsgewürze tauchen erneut auf und verbinden das Finish schön mit dem vorherigen Geschmack.

Ganz am Ende bleibt eine leichte Bitterkeit zurück.

Das Holz meldet sich damit noch einmal zu Wort – durchaus nachvollziehbar bei einem jungen Whisky, der zunächst mehrere Jahre in kleinen Fässern gereift ist.

Whisky-Radar

Süße: ●●●●○
Frucht: ●●●●●
Würze: ●●●●○
Holz: ●●●○○
Port: ●●●●○
Rauch: ●●○○○
Komplexität: ●●●●○

Die große Stärke dieser Abfüllung liegt für mich eindeutig bei Frucht und Würze.

Der Portweineinfluss ist deutlich, ohne den jungen Chichibu-Charakter vollständig zu überdecken.

Was bewirkt Wasser?

Bei 54,5 % vol. lohnt sich ein Experiment mit Wasser.

Ich würde den Whisky zunächst unbedingt pur probieren. Nur so lässt sich feststellen, wie intensiv das Destillat tatsächlich wirkt.

Anschließend können wenige Tropfen stilles Wasser interessant sein.

Dadurch können sich vor allem die roten Früchte, Zitrusaromen und Gewürze stärker öffnen, während die alkoholische Schärfe etwas zurücktritt.

Gerade bei einer so jungen Fassstärke würde ich das Wasser allerdings vorsichtig und schrittweise dosieren.

Food Pairing

Die Portweinprägung eröffnet einige interessante Möglichkeiten als Speisenbegleiter.

Besonders gut vorstellen kann ich mir den Chichibu zu dunkler Schokolade, einem Dessert mit roten Beeren oder einem kräftigen Käse.

Auch ein Schokoladendessert mit Himbeeren oder Cranberrys dürfte hervorragend funktionieren.

Weniger passend wären für mich sehr süße Desserts. Der Whisky bringt bereits genügend eigene Süße und Frucht mit.

Nur 4.200 Flaschen – selten, aber keine garantierte Geldanlage

Von dieser Abfüllung entstanden lediglich 4.200 Flaschen. Diese Limitierung wird sowohl von Whiskybase als auch von Whisky Auctioneer bestätigt. 

Inzwischen taucht die Flasche vor allem bei spezialisierten Händlern und auf Auktionen auf.

Damit besitzt sie zweifellos Sammlerinteresse.

Von einer garantierten „Chance auf Kapitalwachstum“ würde ich allerdings nicht sprechen. Whiskypreise können steigen, stagnieren oder fallen. Zustand, Originalverpackung, Füllstand, Nachfrage und die allgemeine Entwicklung des Sammlermarktes spielen eine erhebliche Rolle.

Wer eine Flasche kauft, sollte sie deshalb nicht automatisch als sichere Kapitalanlage betrachten.

Aus Sicht eines Whiskyfans liegt ihr besonderer Wert ohnehin an anderer Stelle:

Sie stammt aus den allerersten Jahren von Chichibu.

Port Pipe und The First – zwei frühe Gesichter von Chichibu

Besonders interessant wird der Port Pipe im Vergleich zum Chichibu The First 2008/2011.

The First stammt aus dem allerersten Produktionsjahr der Brennerei und wurde bereits nach drei Jahren mit mächtigen 61,8 % vol. abgefüllt.

Der Port Pipe wurde dagegen 2009 destilliert und bekam durch seine zusätzliche Portweinreifung einen völlig anderen Charakter.

Wo beim The First Vanille, Honig, Ingwer, grüner Apfel und Limette im Vordergrund stehen, bewegt sich der Port Pipe deutlich stärker in Richtung roter Früchte, dunkler Schokolade und Gewürze.

Zwei junge Whiskys derselben Destillerie – und doch zwei völlig unterschiedliche Interpretationen.

Gerade daran lässt sich erkennen, wie experimentierfreudig Chichibu bereits in den Anfangsjahren war.

Für wen ist der Chichibu Port Pipe interessant?

Der Whisky dürfte besonders spannend sein für Liebhaber von:

  • japanischem Single Malt,
  • Portwein-Finishes,
  • kräftigen Fassstärken,
  • roten und dunklen Fruchtaromen,
  • jungen, charaktervollen Whiskys,
  • frühen Chichibu-Abfüllungen,
  • und seltenen japanischen Originalabfüllungen.

Wer dagegen einen extrem weichen und jahrzehntelang gereiften Whisky sucht, ist hier an der falschen Adresse.

Der Port Pipe besitzt Ecken und Kanten.

Aber genau das gehört zu seinem Charakter.

Mein Eindruck

Der Chichibu Port Pipe 2009/2013 ist für mich ein sehr schönes Beispiel dafür, dass ein junger Whisky nicht versuchen muss, wie ein alter Whisky zu schmecken.

Seine Jugend ist deutlich vorhanden.

Hefe, Getreide, Würze und die kräftigen 54,5 % vol. zeigen, dass wir es mit einem gerade einmal rund vierjährigen Single Malt zu tun haben.

Aber dann kommt das Port Pipe.

Und plötzlich erscheinen Cranberrys, Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren, dunkle Schokolade, Zitrus und Weihnachtsgewürze.

Diese Verbindung funktioniert erstaunlich gut.

Besonders gefällt mir, dass der Portweineinfluss das Destillat nicht vollständig zudeckt. Hinter den roten Früchten bleibt der junge, lebendige Charakter von Chichibu erkennbar.

Die leichte Rauchigkeit und die etwas herbere Note im Finale verhindern außerdem, dass der Whisky zu süß wird.

Ein ungewöhnlicher, kraftvoller und ausgesprochen spannender Chichibu.

Fazit

Der Chichibu Port Pipe Ichiro’s Malt 2009/2013 stammt aus einer Zeit, in der die Geschichte der heutigen Kultbrennerei gerade erst begonnen hatte.

2009 destilliert, rund vier Jahre gereift und 2013 mit 54,5 % vol. abgefüllt – das klingt zunächst nach einem ausgesprochen jungen Whisky.

Doch die Fassbehandlung macht den Unterschied.

Nach der ersten Reifung in kleinen Fässern bekam der Whisky zusätzliche Zeit in einem großen Port Pipe. Dadurch trifft das lebhafte Chichibu-Destillat auf eine intensive Welt aus roten Früchten, dunkleren Beeren, Schokolade, Gewürzen und Süße.

Nur 4.200 Flaschen wurden abgefüllt. 

Damit ist der Port Pipe heute nicht nur eine seltene japanische Abfüllung, sondern zugleich ein interessantes Dokument aus der frühen Geschichte der Chichibu Distillery.

Für mich liegt genau darin der Reiz:

Dieser Whisky zeigt nicht die Perfektion jahrzehntelanger Reifung – sondern den Mut einer jungen Destillerie, mit Fassgrößen, Portwein und hoher Alkoholstärke zu experimentieren.

Und gerade deshalb erzählt der Chichibu Port Pipe eine Geschichte, die weit über seine vier Jahre im Fass hinausgeht.

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Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell überarbeitet. Die Verkostungs- und Bewertungseindrücke geben die persönliche Einschätzung von Taunus Tastings wieder.