Eine Flasche Glenfarclas 175th Anniversary im Sonnenuntergang

Glenfarclas 175th Anniversary – Sechs Jahrzehnte Whiskygeschichte in einem Glas

18 Fässer, sechs Jahrzehnte und sogar Whisky aus dem ältesten damals noch vorhandenen Fass der Brennerei: Mit der Glenfarclas 175th Anniversary Edition feierte die familiengeführte Speyside-Destillerie 2011 ihr 175-jähriges Bestehen. Eine außergewöhnliche Jubiläumsabfüllung, die den Stil verschiedener Glenfarclas-Epochen miteinander verbindet.

Manche Jubiläumswhiskys bekommen lediglich ein besonderes Etikett. Beim Glenfarclas 175th Anniversary ging die Brennerei deutlich weiter.

Zum 175. Geburtstag wurden 18 Fässer aus sechs verschiedenen Jahrzehnten ausgewählt – jeweils drei aus den 1950er-, 1960er-, 1970er-, 1980er-, 1990er- und 2000er-Jahren. Darunter befand sich sogar das damals älteste Fass im Bestand von Glenfarclas, das bereits 1952 befüllt worden war.

So entstand keine klassische Altersabfüllung, sondern eine flüssige Reise durch mehrere Generationen Glenfarclas.

Glenfarclas – die Geschichte beginnt 1836

Die Geschichte von Glenfarclas beginnt auf der Rechlerich Farm in der schottischen Speyside.

Im Jahr 1836 erhielt Robert Hay eine Lizenz zum Destillieren. Damit beginnt die offiziell dokumentierte Geschichte der Brennerei.

Ein entscheidendes Datum folgte am 8. Juni 1865. An diesem Tag erwarb John Grant Rechlerich Farm und Glenfarclas für 511 Pfund und 19 Schilling.

John Grant war zu diesem Zeitpunkt bereits 60 Jahre alt. Gemeinsam mit seiner Frau Barbara hatte er sechs Kinder und war als erfolgreicher Landwirt tätig.

Da er weiterhin auf seiner Blairfindy Farm lebte, wurde der Betrieb zunächst von seinem entfernten Cousin John Smith geführt. Smith verließ Glenfarclas 1870 – und übernahm anschließend eine entscheidende Rolle beim Aufbau einer weiteren heute berühmten Speyside-Brennerei: Cragganmore.

Die Familie Grant übernahm zunehmend selbst die Verantwortung für Glenfarclas.

Und daran sollte sich grundsätzlich bis heute nichts ändern.

Eine der großen Familiengeschichten des Scotch Whisky

Als John Grant 1889 starb, übernahm sein Sohn George die Brennerei. Doch George starb bereits im folgenden Jahr.

Damit ging Glenfarclas an Georges Witwe Elsie sowie die Söhne John und George über.

Die folgenden Jahre sollten für die Familie alles andere als einfach werden.

Während des Whiskybooms der 1890er-Jahre gingen die Brüder eine Partnerschaft mit Pattison, Elder & Co. ein. Die Pattisons gehörten damals zu den großen Namen der Branche – bis ihr Unternehmen spektakulär zusammenbrach.

Die Folgen trafen weite Teile der schottischen Whiskyindustrie.

Auch Glenfarclas geriet in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. Die Grant-Familie kämpfte jahrelang darum, ihr Unternehmen zu erhalten.

Sie schaffte es.

Aus dem Familienbetrieb entwickelte sich schließlich J. & G. Grant – bis heute der Name des Unternehmens hinter Glenfarclas.

George Scott Grant und die wertvollen alten Bestände

Eine der wichtigsten Persönlichkeiten der jüngeren Glenfarclas-Geschichte war George Scott Grant.

Er repräsentierte die vierte Generation der Familie und stand dem Unternehmen über Jahrzehnte vor. Bis zu seinem Tod im Jahr 2002 war er 52 Jahre lang Chairman von Glenfarclas.

Eine seiner Entscheidungen erwies sich rückblickend als besonders wichtig.

Anstatt große Mengen des produzierten Whiskys an Blender zu verkaufen, ließ Glenfarclas umfangreiche Bestände im eigenen Lager reifen.

Das war wirtschaftlich keineswegs selbstverständlich.

Langfristig entstand dadurch jedoch ein außergewöhnlicher Vorrat alter Whiskys.

Genau dieser Bestand ermöglichte später Serien wie die Family Casks – und außergewöhnliche Jubiläumsabfüllungen wie den Glenfarclas 175.

2011: Glenfarclas wird 175 Jahre alt

Im Jahr 2011 feierte Glenfarclas sein 175-jähriges Bestehen.

Für die Jubiläumsedition wollte man offenbar keinen gewöhnlichen alten Single Malt auswählen. Stattdessen sollte die Geschichte der Brennerei selbst zum Bestandteil des Whiskys werden.

Die Idee:

Sechs Jahrzehnte Glenfarclas in einer Flasche.

Dafür wurden insgesamt 18 Fässer ausgewählt.

Jeweils drei Fässer stammten aus jedem der vergangenen sechs Jahrzehnte.

Das älteste Fass stammte aus 1952 und war zu diesem Zeitpunkt das älteste Fass in den Lagerhäusern der Brennerei.

Die jüngsten Bestandteile kamen dagegen aus den 2000er-Jahren.

Damit lagen zwischen den ältesten und jüngsten Komponenten mehrere Jahrzehnte Whiskygeschichte.

1950er bis 2000er – sechs unterschiedliche Glenfarclas-Epochen

Besonders spannend ist die Idee hinter der Auswahl.

Die unterschiedlichen Jahrzehnte sollten jeweils verschiedene Facetten des Glenfarclas-Charakters in die Komposition einbringen.

1950er und 1960er

Die ältesten Bestandteile stehen für den schweren und intensiven Sherrycharakter früher Glenfarclas-Abfüllungen.

1970er und 1980er

Diese Jahrzehnte bringen eine leichtere und deutlich fruchtigere Seite in die Komposition.

1990er

Hier wird das Profil frischer und lebendiger.

2000er

Die jüngsten Whiskys sollen wiederum mit einer für ihr Alter überraschenden Reife zur Gesamtkomposition beitragen.

Glenfarclas beschrieb das Konzept entsprechend als Verbindung des schweren Sherrycharakters der 1950er und 1960er mit der leichteren Fruchtigkeit der 1970er und 1980er, der Frische der 1990er und der überraschenden Reife der jüngsten Fässer aus dem Jahr 2000.

Damit ist der Glenfarclas 175 fast so etwas wie ein aromatisches Archiv der Brennerei.

Warum trägt der Glenfarclas 175 keine Altersangabe?

Auf den ersten Blick erscheint es ungewöhnlich, dass eine Abfüllung mit Whisky aus den 1950er-Jahren keine große Altersangabe auf dem Etikett trägt.

Der Grund liegt im Scotch-Whisky-Recht.

Bei einer Altersangabe muss immer das Alter des jüngsten enthaltenen Whiskys angegeben werden.

Da beim Glenfarclas 175 auch deutlich jüngere Whiskys aus den 2000er-Jahren verwendet wurden, hätte eine Altersangabe den historischen Charakter der Komposition kaum angemessen dargestellt.

Deshalb erschien die Jubiläumsedition als NAS – No Age Statement.

Das ist hier ein besonders gutes Beispiel dafür, warum NAS keineswegs automatisch „junger Whisky“ bedeutet.

In dieser Flasche treffen sehr junge Komponenten auf Whisky, der bereits 1952 ins Fass kam.

Nur 6.000 Flaschen weltweit

Die Glenfarclas 175th Anniversary Edition war entsprechend limitiert.

Insgesamt wurden lediglich 6.000 Flaschen abgefüllt.

Die Trinkstärke beträgt klassische 43 % vol., die Flasche fasst 700 ml. Whisky.de

Heute ist die Abfüllung deshalb natürlich wesentlich schwieriger zu finden als zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung.

Eine Verpackung voller Glenfarclas-Geschichte

Nicht nur der Whisky selbst blickt zurück.

Auch die Gestaltung der Geschenkverpackung greift die Geschichte der Brennerei auf.

Für die Tube wurde eine Collage aus historischen Glenfarclas-Etiketten geschaffen. Einige der verwendeten Vorlagen waren bereits damals mehr als 100 Jahre alt.

Das passt hervorragend zum Gesamtkonzept.

Der Whisky erzählt die Geschichte über die Fässer – die Verpackung erzählt sie über die Flaschen und Etiketten.

Glenfarclas 175th Anniversary – die Fakten

MerkmalGlenfarclas 175th Anniversary
BrennereiGlenfarclas
RegionSpeyside, Schottland
KategorieSingle Malt Scotch Whisky
Abfüllung2011
AlterNAS
Fässer18 ausgewählte Fässer
Zeitraumsechs Jahrzehnte
Ältestes Fass1952
Jüngste Komponenten2000er-Jahre
Alkoholgehalt43 % vol.
Flaschengröße700 ml
Limitierung6.000 Flaschen
AbfüllerOriginalabfüllung

Verkostung des Glenfarclas 175th Anniversary

Das Spannende an dieser Abfüllung ist natürlich die Frage:

Kann man diese sechs Jahrzehnte tatsächlich schmecken?

Die Grundidee findet sich jedenfalls sehr schön im Glas wieder.

Farbe

Ein warmer Bernstein- bis Honigton.

Die Farbe vermittelt bereits optisch den Eindruck eines klassischen, sherrygeprägten Glenfarclas.

Aroma

In der Nase startet der Glenfarclas 175 ausgesprochen angenehm und süß.

Toffee und Vanille bestimmen zunächst das Bild.

Dahinter entwickeln sich fruchtigere Eindrücke und eine feine Sherryprägung.

Gerade wenn der Whisky etwas länger im Glas steht, gewinnen Toffee und Vanille weiter an Intensität – eine Beobachtung, die sich auch in zeitgenössischen Beschreibungen der Abfüllung findet.

Die Nase wirkt dabei nicht schwer oder überladen.

Vielmehr entsteht ein interessantes Wechselspiel aus Süße, reiferem Sherrycharakter und helleren Fruchtnoten.

Geschmack

Am Gaumen zeigt sich der Whisky unglaublich cremig.

Die Süße aus der Nase bleibt erhalten, gleichzeitig treten die typischen Glenfarclas-Sherrynoten deutlicher hervor.

Dazu kommt Frucht.

Gerade diese Verbindung macht die Abfüllung interessant: Auf der einen Seite stehen die schwereren, älteren Sherrykomponenten. Auf der anderen Seite sorgen die jüngeren Whiskys für mehr Frische und Lebendigkeit.

Der Whisky wirkt dadurch nicht wie ein extrem alter, holzdominierter Single Malt.

Stattdessen entsteht eine Verbindung aus Sherry, Frucht, Toffee, Vanille und reifer Eichenwürze.

Und genau darin zeigt sich für mich die Stärke des Konzepts.

Abgang

Der Abgang ist lang und elegant.

Sherrysüße und Frucht klingen langsam aus, begleitet von einer feinen Würze und zurückhaltender Eiche.

Die 43 % vol. sorgen dafür, dass das Finale nicht aggressiv wird.

Stattdessen bleibt ein harmonischer, klassischer Glenfarclas-Eindruck zurück.

Whisky-Radar

Süße: ●●●●○
Frucht: ●●●●○
Würze: ●●●○○
Holz: ●●●○○
Sherry: ●●●●○
Rauch: ○○○○○
Komplexität: ●●●●●

Die besondere Stärke liegt für mich eindeutig in der Komplexität.

Das überrascht angesichts von sechs Jahrzehnten und 18 unterschiedlichen Fässern natürlich nicht.

Alt und jung – warum die Kombination funktioniert

Die große Herausforderung einer solchen Abfüllung liegt in der Balance.

Sehr alter Whisky kann wunderschöne Aromen entwickeln, aber auch von Holz, Leder oder Bitterkeit dominiert werden.

Jüngerer Whisky bringt dagegen Frische und Frucht, kann aber kantiger und weniger komplex erscheinen.

Beim Glenfarclas 175 wurde genau mit diesem Gegensatz gespielt.

Die alten Whiskys liefern Tiefe, Sherry und Reife.

Die jüngeren Komponenten bringen Frucht und Frische.

Das Ziel war also nicht, möglichst viel alten Whisky in eine Flasche zu bekommen.

Es ging darum, aus sechs Jahrzehnten einen gemeinsamen Glenfarclas-Charakter zu formen.

175, 185 und 190 – die Jubiläumsabfüllungen

Rückblickend ist der Glenfarclas 175 besonders interessant, weil die Brennerei dieses Prinzip später wieder aufgriff.

Nach dem 175-jährigen Jubiläum folgte zehn Jahre später die 185th Anniversary Edition. Und mit dem Glenfarclas 190th Anniversary 2026 wurde die Geschichte der Jubiläumsabfüllungen erneut fortgesetzt.

Gerade deshalb ist der 175er heute ein spannender Ausgangspunkt.

Er zeigt bereits jene Idee, die bei späteren Jubiläumsabfüllungen erneut eine wichtige Rolle spielt:

Nicht ein einzelner Jahrgang soll die Geschichte von Glenfarclas erzählen – sondern die Verbindung mehrerer Generationen von Whisky.

Für wen eignet sich der Glenfarclas 175?

Diese Abfüllung ist heute vor allem für Whiskyfreunde interessant, die sich intensiver mit Glenfarclas beschäftigen.

Wer klassische Sherry-Single-Malts mag, findet hier viele vertraute Elemente.

Gleichzeitig richtet sich der Whisky an Genießer, die historische Abfüllungen und ungewöhnliche Fasskompositionen spannend finden.

Für Sammler kommt natürlich noch ein weiterer Faktor hinzu:

Mit nur 6.000 Flaschen weltweit und Whisky aus sechs Jahrzehnten besitzt der Glenfarclas 175 eine historische Besonderheit, die sich bei einer regulären Standardabfüllung nicht finden lässt.

Mein Eindruck

Der Glenfarclas 175th Anniversary ist für mich eine Abfüllung, bei der das Konzept hervorragend zur Geschichte der Brennerei passt.

Glenfarclas besitzt gerade deshalb einen so beeindruckenden Bestand alter Whiskys, weil frühere Generationen der Grant-Familie langfristig gedacht und große Mengen eigener Bestände zurückgehalten haben.

Und genau daraus konnte 2011 geschöpft werden.

18 Fässer. Sechs Jahrzehnte. Whisky von 1952 bis in die 2000er-Jahre.

Im Glas gefällt mir besonders das Zusammenspiel von Toffee und Vanille in der Nase mit der süßen Fruchtigkeit und den klassischen Sherrynoten am Gaumen.

Dazu kommt diese ausgesprochen cremige Textur.

Der Whisky versucht nicht, ausschließlich über Alter oder massive Sherryintensität zu beeindrucken. Stattdessen verbinden sich alte und jüngere Komponenten zu einem erstaunlich harmonischen Gesamtbild.

Und das lange, elegante Finish passt hervorragend dazu.

Fazit

Der Glenfarclas 175th Anniversary ist weit mehr als eine Flasche mit Jubiläumsetikett.

Zum 175-jährigen Bestehen der Brennerei wurden 18 Fässer aus sechs Jahrzehnten miteinander vermählt – jeweils drei aus jedem Jahrzehnt. Sogar das älteste damals noch vorhandene Glenfarclas-Fass aus 1952 fand seinen Weg in die Komposition.

Die älteren Whiskys bringen schweren Sherrycharakter und Reife. Die mittleren Jahrzehnte liefern Fruchtigkeit, die jüngeren Komponenten Frische und Lebendigkeit.

Im Glas zeigt sich das mit Toffee, Vanille, süßer Frucht und typischen Sherrynoten, einer wunderbar cremigen Textur und einem langen, eleganten Finale.

Gerade einmal 6.000 Flaschen wurden 2011 mit 43 % vol. abgefüllt. Whisky.de

Damit ist der Glenfarclas 175 heute nicht nur ein interessanter Whisky, sondern ein Stück Brennereigeschichte.

Sechs Jahrzehnte Glenfarclas in einem Glas – viel passender hätte man 175 Jahre Familien- und Whiskygeschichte kaum feiern können.

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Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell überarbeitet. Die Verkostungs- und Bewertungseindrücke geben die persönliche Einschätzung von Taunus Tastings wieder.