Eine Flasche Glenfarclas 185, im Hintergrund ein Whiskyfass und eine kleine Destille

Illustrationsbild – erstellt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz.

Glenfarclas 185th Anniversary Edition – 185 Jahre Familiengeschichte im Glas

Es gibt Whiskybrennereien, deren Geschichte lang ist. Und dann gibt es Glenfarclas. Eine Brennerei, die seit Generationen von derselben Familie geführt wird und deren Geschichte eng mit dem Namen Grant verbunden ist.

Die Glenfarclas 185th Anniversary Edition wurde 2021 anlässlich des 185-jährigen Jubiläums der offiziellen Lizenzierung der Brennerei veröffentlicht. Dabei ist selbst das Gründungsjahr nicht ganz so eindeutig, wie es zunächst klingt: Glenfarclas weist selbst darauf hin, dass es Hinweise auf Whiskyproduktion an diesem Ort bereits vor 1836 gibt. Gefeiert wird deshalb der Mai 1836 – der Zeitpunkt, an dem die Brennerei ihre erste offizielle Lizenz erhielt.

Für das Jubiläum entstand ein besonderer Whisky, der die Geschichte von Glenfarclas nicht über eine klassische Altersangabe, sondern über eine Zusammenstellung verschiedener Fässer aus mehreren Jahrzehnten erzählen soll.

Die Geschichte von Glenfarclas

Die Geschichte der Brennerei reicht mindestens bis ins Jahr 1836 zurück. Damals wurde auf der Rechlerich Farm offiziell Whisky hergestellt. 1865 kam schließlich John Grant ins Spiel. Der erfolgreiche Viehzüchter erwarb am 8. Juni 1865 die Farm und die Brennerei für 511 Pfund, 19 Schilling und 0 Pence. Damit begann die bis heute andauernde Verbindung zwischen Glenfarclas und der Familie Grant.

John Grant war in erster Linie Landwirt und Viehzüchter. Deshalb überließ er die Führung der Brennerei zunächst seinem entfernten Cousin John Smith. Smith sollte später selbst Brennereigeschichte schreiben: 1870 verließ er Glenfarclas und gründete Cragganmore.

John Grants Sohn George übernahm schließlich mehr Verantwortung für Farm und Brennerei. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1889 führte er das Unternehmen weiter. Doch bereits ein Jahr später verstarb auch George. Die Verantwortung ging damit an seine Witwe Elsie und die beiden Söhne John und George über.

Die Pattison-Krise

Die 1890er-Jahre waren für die schottische Whiskyindustrie eine Zeit enormer Expansion. Auch die Grants wollten wachsen und gingen eine Partnerschaft mit Pattisons of Leith ein.

Was zunächst nach einer vielversprechenden Geschäftsentwicklung aussah, entwickelte sich zu einer Katastrophe. Die Pattison-Krise brachte zahlreiche Unternehmen in Schwierigkeiten und stürzte auch Glenfarclas beinahe in den finanziellen Ruin.

Die Familie musste rund 15 Jahre hart arbeiten, um die wirtschaftliche Stabilität wiederherzustellen. Schließlich wurde das Unternehmen als J. & G. Grant weitergeführt. Aus dieser schwierigen Zeit entstand letztlich etwas, das Glenfarclas bis heute prägt: der Wille zur Unabhängigkeit.

Eine Familie, eine Brennerei

Glenfarclas gehört zu den wenigen schottischen Brennereien, die bis heute familiengeführt sind. Mittlerweile steht die fünfte und sechste Generation der Grants hinter dem Unternehmen.

Besonders prägend war George Scott Grant. Er leitete Glenfarclas 52 Jahre lang und setzte wichtige Weichen für die Zukunft der Brennerei. Unter seiner Führung wurde ein großer Bestand an Whiskyfässern aufgebaut.

Gleichzeitig entschied man sich bewusst dafür, nicht den gesamten produzierten Whisky an unabhängige Abfüller oder Blender zu verkaufen. Diese Entscheidung sollte sich Jahrzehnte später als äußerst wertvoll erweisen.

Denn genau diese Lagerbestände ermöglichen Glenfarclas heute, auf ältere Whiskys zurückzugreifen und Abfüllungen mit einem außergewöhnlichen historischen Hintergrund zu komponieren.

Das Jubiläum im Glas

Die 185th Anniversary Edition ist genau solch eine Abfüllung.

Anstatt einen einzelnen Jahrgang oder eine klassische Altersangabe in den Mittelpunkt zu stellen, suchte Glenfarclas nach Fässern, die unterschiedliche Epochen der Brennereigeschichte repräsentieren.

Die Brennerei beschreibt den Auswahlprozess als beinahe zweijährige Suche in den eigenen Lagerhäusern. Dabei wurden nach und nach Fässer aus verschiedenen Jahrzehnten ausgewählt, bis schließlich die finale Komposition feststand.

Die Abfüllung ist ein NAS-Whisky, also ein Whisky ohne Altersangabe. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass hier ausschließlich junger Whisky im Glas steckt. Im Gegenteil: Zeitgenössische Verkostungen beschreiben deutlich gereifte, alte Holz- und Fruchtnoten und sprechen von einer Komposition, in der ältere Whiskys eine wichtige Rolle spielen. (

Abgefüllt wurde die Anniversary Edition mit 46 % vol. und in einer limitierten Auflage von 6.000 Flaschen.

Fassreifung und Glenfarclas-Stil

Wer Glenfarclas sagt, kommt am Sherryfass kaum vorbei. Die Brennerei ist für ihren sherrydominierten Stil bekannt, und auch die 185th Anniversary Edition bewegt sich klar in diesem Aromenspektrum.

Dabei geht es allerdings nicht um ein eindimensionales „Sherrybrett“. Vielmehr verbindet der Whisky Trockenfrüchte, Zitrusfrüchte, Karamell, Gewürze, Schokolade und Holz miteinander.

Das passt hervorragend zum klassischen Glenfarclas-Charakter.

Hinzu kommt die traditionelle Produktionsweise der Brennerei. Glenfarclas setzt bis heute auf direkt befeuerte Brennblasen, die nach Aussage der Brennerei zu einem kräftigen und vollmundigen Destillat beitragen.

Tasting Notes

Aroma: Schon beim ersten Kontakt zeigt die 185th Anniversary Edition ihre Glenfarclas-DNA.

Süße Sherrynoten stehen im Mittelpunkt. Dahinter finden sich getrocknete Früchte, dunklere Fruchtaromen und eine dezente Würze. Mit etwas Zeit im Glas wird das Bild komplexer: Orangenschale, Pflaumen, Rosinen und feine Schokoladennoten können sich entwickeln.

Das Aroma wirkt dabei nicht überladen, sondern erstaunlich ausgewogen.

Geschmack: Auf der Zunge wird der Whisky deutlich kräftiger.

Angebranntes Karamell trifft auf die fruchtige Süße von Apfelkompott. Dazu kommt eine würzige Vanillesoße, die dem Whisky eine cremige und warme Komponente verleiht.

Interessant ist der leichte Hauch Rauch. Glenfarclas ist schließlich kein klassischer Rauchwhisky, dennoch kann sich hier eine dezente, geröstete Note zeigen, die hervorragend mit dem Karamell harmoniert.

Auch andere Verkostungen beschreiben Karamell, gekochte Früchte, Gewürze, Schokolade und Kaffee als prägende Elemente dieser Abfüllung.

Abgang: Der Abgang gehört für mich zu den stärksten Seiten dieser Abfüllung.

Dunkle Schokolade begleitet den Whisky lange, während sich immer deutlicher Eichenwürze und trockener werdende Holznoten zeigen.

Die Süße zieht sich langsam zurück und überlässt der Eiche, dunkler Schokolade und einer leichten Würzigkeit die Bühne.

Whisky-Radar

KategorieEinschätzung
RegionSpeyside
TypSingle Malt Scotch Whisky
AlterNAS
Alkoholgehalt46 % vol.
FasscharakterDeutlich sherrygeprägt
AromaFruchtig, süß, Sherry, Trockenfrüchte
GeschmackKaramell, Apfelkompott, Vanille, Gewürze
AbgangDunkle Schokolade, Eiche, lang
RauchDezent
CharakterElegant, fruchtig, würzig
Limitierung6.000 Flaschen

Wie schmeckt die 185th Anniversary Edition im Vergleich zu klassischen Glenfarclas-Abfüllungen?

Wer Glenfarclas bereits kennt, wird die typische Handschrift schnell wiedererkennen.

Die Anniversary Edition ist jedoch weniger geradlinig als beispielsweise ein klassischer Glenfarclas 10 oder Glenfarclas 15 Jahre. Hier geht es nicht darum, einen bestimmten Altersbereich möglichst präzise abzubilden. Stattdessen steht die Verbindung verschiedener Fassgenerationen im Vordergrund.

Das Ergebnis ist ein Whisky, der deutlich reifer und komplexer wirken kann, ohne dabei ausschließlich auf maximale Sherryintensität zu setzen.

Gerade diese Balance macht die Abfüllung interessant.

Food-Pairing

Die Kombination aus Trockenfrüchten, Karamell, Vanille, dunkler Schokolade und Eiche eröffnet einige interessante Möglichkeiten.

Besonders gut vorstellen kann ich mir:

  • dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil
  • Schokoladenkuchen
  • Crème brûlée
  • Apfel-Tarte mit Zimt
  • gereiften Hartkäse
  • Desserts mit karamellisierten Äpfeln und Vanille

Mein persönlicher Favorit wäre eine warme Apfeltarte mit Vanille und etwas Zimt. Die Fruchtsüße des Desserts greift das Apfelkompott im Whisky auf, während Vanille und Karamell eine direkte Brücke zum Dram schlagen.

Für wen ist die Glenfarclas 185th Anniversary Edition interessant?

Diese Abfüllung richtet sich vor allem an Whiskyfreunde, die klassische Sherry-Whiskys mögen und gleichzeitig etwas Besonderes suchen.

Für Einsteiger ist sie durchaus zugänglich, allerdings dürfte ihr historischer Hintergrund für erfahrene Glenfarclas-Fans noch interessanter sein.

Besonders spannend ist sie für:

  • Glenfarclas-Liebhaber
  • Fans sherrygeprägter Single Malts
  • Whiskyfreunde, die ältere Fassbestände schätzen
  • Sammler limitierter Originalabfüllungen
  • Genießer, die komplexe, fruchtig-würzige Whiskys bevorzugen

Preis-Leistung

Bei einer Jubiläumsabfüllung darf man nicht ausschließlich den Whisky im Glas betrachten.

Hier bezahlt man auch für die Geschichte, die Limitierung und das Konzept hinter der Abfüllung.

Die 185th Anniversary Edition wurde mit 46 % vol. abgefüllt und als limitierte Edition mit 6.000 Flaschen veröffentlicht.

Das macht sie zu einem interessanten Sammlerobjekt. Wer allerdings ausschließlich nach möglichst viel Whisky fürs Geld sucht, findet bei Glenfarclas andere Abfüllungen, die möglicherweise die bessere Wahl darstellen.

Mein Fazit

Die Glenfarclas 185th Anniversary Edition ist mehr als einfach nur ein weiterer Single Malt aus der Speyside.

Sie erzählt die Geschichte einer Brennerei, die seit Generationen von derselben Familie geführt wird. Sie erinnert an Zeiten wirtschaftlicher Krisen, an den beinahe verlorenen Weg durch die Pattison-Ära und an die Entscheidung der Grants, ihre Unabhängigkeit zu bewahren.

Vor allem aber zeigt sie, welchen Wert ein großer und über Jahrzehnte gepflegter Fassbestand haben kann.

Im Glas präsentiert sich die Anniversary Edition als klassischer Glenfarclas mit einer schönen Verbindung aus Sherry, getrockneten Früchten, Karamell, Apfelkompott, Vanille und dunkler Schokolade. Die dezente Rauchigkeit sorgt für zusätzliche Tiefe, während die Eiche im langen Abgang zunehmend deutlicher hervortritt.

Was mir besonders gefällt, ist die Balance. Der Whisky versucht nicht, mit maximaler Fassstärke oder einer extremen Sherrybombe Eindruck zu machen. Stattdessen lebt er von der Verbindung unterschiedlicher Aromen und dem Eindruck gereifter Fässer.

Ein würdiger Whisky zum 185. Geburtstag einer außergewöhnlichen Familienbrennerei.

Taunus-Tastings-Bewertung

Aroma: 8,5/10
Geschmack: 9,0/10
Abgang: 8,5/10
Balance & Komplexität: 9,0/10
Preis-Leistung: 8,0/10

Gesamt: 8,6/10 Punkte

Häufig gestellte Fragen

Ist der Glenfarclas 185th Anniversary ein Single Malt?

Ja. Es handelt sich um einen Single Malt Scotch Whisky aus der Glenfarclas Distillery in der Speyside.

Wie viel Alkohol hat die 185th Anniversary Edition?

Der Whisky wurde mit 46 % vol. abgefüllt.

Hat der Whisky eine Altersangabe?

Nein. Die 185th Anniversary Edition ist ein NAS-Whisky ohne offizielle Altersangabe. Dennoch enthält die Komposition Whisky aus unterschiedlichen Jahrzehnten.

Ist der Glenfarclas 185th Anniversary rauchig?

Nicht im klassischen Sinne. Der Whisky ist eindeutig von süßen, fruchtigen und sherrygeprägten Aromen dominiert. Eine leichte rauchige beziehungsweise geröstete Note kann sich jedoch im Geschmack zeigen.

Wie viele Flaschen wurden abgefüllt?

Die limitierte Edition wurde in einer Auflage von 6.000 Flaschen veröffentlicht.

Ist Glenfarclas noch in Familienbesitz?

Ja. Glenfarclas befindet sich weiterhin im Besitz und unter der Führung der Familie Grant und gehört damit zu den wenigen schottischen Brennereien, die ihre Unabhängigkeit und Familienführung über mehrere Generationen bewahrt haben.

Transparenz

Die historischen Angaben und Produktinformationen wurden anhand verfügbarer Quellen der Glenfarclas Distillery sowie ergänzender Whiskyquellen abgeglichen. Die Tasting Notes basieren auf der hier verkosteten Abfüllung und spiegeln den persönlichen Eindruck wider.

Die Glenfarclas 185th Anniversary Edition ist nicht nur ein Whisky zum Anstoßen auf 185 Jahre Geschichte – sie ist ein flüssiges Stück Familiengeschichte.